Impfskepsis

vaccination-1215279_1920Die Aufgabe, für die öffentliche Gesundheit Sorge zu tragen, führt dazu, dass Gesundheitsämter die Bevölkerung über Gesundheitsthemen informieren und belehren. Ein höchst umstrittenes Thema ist dabei die Impfskepsis der Deutschen.

Nur ungefähr 37% aller Kleinkinder in Deutschland werden jährlich gegen Masern geimpft. Zu diesem Ergebnis kam das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin. Jedoch brechen nach weitflächigen Masernausbrüche in Schulen die Rufe nach einer Impfpflicht immer wieder aus. Und dennoch gibt es in Deutschland keine Impfpflicht, sondern lediglich Impfempfehlungen.

Ein möglicher Grund für die Impfskepsis in Deutschland könnte die anthroposophische Weltanschauung vieler Eltern sein. Das Durchstehen von Krankheiten und Infektionen wird als gut und gesund empfunden. Eine Impfung der Kinder dagegen würde den Körper der Kinder schwächen, weil es nie gegen die Infektion eigenständig kämpfen musste. Die Theorie, dass eine derartige Weltanschauung für die Impfskepsis und die niedrigen Impfraten in Deutschland verantwortlich ist, wird dadurch bekräftigt, dass Eltern mit höherer Bildung eine größere Impfskepsis vorweisen. Ein hoher sozioökonomischer Status würde dann einhergehen mit einer niedrigeren Bereitschaft die Kinder impfen zu lassen. Eine Analyse der Impfungen pro Region hat ergeben, dass die Impf-Wahrscheinlichkeit sinkt, desto höher die Quote von hoch qualifizierten Frauen in der Region ist.

Es handelt sich bei der Entscheidung zur Impfung von Kindern nach der Meinung vieler Familien um eine private Angelegenheit. Die Eltern haben über die Gesundheitsmaßnahmen für ihre Kinder zu entscheiden. Dieser Ansicht entgegen tritt die Befürwortung einer Impfpflicht. Obwohl die Impfung des eigenen Kindes eine Privatsache ist kann die Unterlassung einer Impfung weitreichende Folgen haben. Masernausbrüche weiten sich in Kindergärten und Schulen aus. Dadurch werden teilweise ganze Klassen angesteckt. In solchen Fällen wird die Funktion und Arbeitsweise der Schulen und Kindergärten aufgrund einer privaten Entscheidung lahmgelegt. Außerdem entstehen für die öffentlichen Krankenkassen Kosten aufgrund der Krankheitsfälle von nicht geimpften Kindern. Die Öffentlichkeit bekommt daher die Konsequenzen der persönlichen Entscheidung der Eltern zu spüren.

Viele Eltern erachten Masern als ungefährlich und lediglich als Krankheit, die zur Kindheit dazugehört. Allerdings werden Kinder für andere, gefährlichere Krankheiten auch nicht geimpft. Die Diskussion um die Impfskepsis und eine Impfpflicht dreht sich daher um die Abwägung zwischen der Entscheidungsfreiheit der Eltern und den Gesundheitsanspruch der Kinder und der Öffentlichkeit.